Verzugszinsen: Unterschiedliche Regelungen für Verbraucher & Unternehmen

Verzugszinsen sind eine ganz besondere Form von Zinsen. Sie können immer dann entstehen, wenn ein Rechnungsschuldner einen Teil seiner Schulden verspätet oder gar nicht zurückzahlt. Jede etwa aus einer Warenlieferung, einem Kauf, einer Anmietung, einer Dienstleistung oder einer Strafe resultierende finanzielle Verpflichtung muss binnen einer bestimmten Frist beglichen werden. Die Länge dieser Frist hängt vom jeweiligen Produkt ab und steht zumeist im Kleingedruckten der zugehörigen Rechnung. Versäumt es der Schuldner, seiner finanziellen Verpflichtung fristgerecht nachzukommen, ist er automatisch in Verzug und Verzugszinsen werden fällig.

Jeder Vertrag unterliegt den gesetzlichen Verzugszinsregelungen

Diese Verzugszinsregelung gilt grundsätzlich für sämtliche Vertragsgeschäfte, an denen natürliche oder auch juristische Personen (beispielsweise Firmen oder Behörden) beteiligt sind. Verzugszinsen können also sowohl bei jedem klassischen Verbraucherkredit oder Ratenvertrag, als auch bei Warenrechnungen und ungenehmigten Überziehungen eines Girokontos entstehen. Verzugszinsen werden stets zusätzlich zu den vertraglich vereinbarten Zinssätzen erhoben und werden nach Verzugstagen berechnet. Wenn beispielsweise ein Kaufvertrag eine zehnprozentige Verzinsung vorsieht und der Kontoinhaber seinen Kredit nicht fristgerecht bedient, darf der Kreditgeber 10 Prozent Kreditzinsen plus Verzugszinsen für jeden einzelnen Verzugstag verlangen.

Die Höhe der Verzugszinsen ist in Deutschland gesetzlich festgelegt. Er liegt laut § 288 BGB bei Verbrauchergeschäften fünf Punkte über dem Basissatz. Bei Handelsgeschäften beträgt dieser Zinssatz neun Punkte über dem Basiszinssatz.

Letzteres ist beispielsweise der Fall, wenn ein Unternehmen einem anderen Unternehmen einen Kredit gibt. Der klassische Fall eines unternehmerischen Verzugszinses ist, wenn ein Warenkredit oder die Leistung eines Subunternehmers nicht fristgerecht bezahlt wird. Bei Verbrauchern trifft man Verzugszinsen meist bei Ratenzahlungen, erheblich überzogenen Girokonten sowie nicht beglichenen Versandhaus-Rechnungen an.

Niedrige Verzugszinsen dank Niedrigzinspolitik

Der Basiszinssatz, nach dem sich die Höhe des Verzugszinses berechnet, wird gemäß §247 BGB von der Deutschen Bundesbank ermittelt und veröffentlicht. Die Berechnung erfolgt dabei nach einer Formel auf Grundlage der von der Europäischen Zentralbank halbjährlich festgelegten Zinssätze.

Derzeit (Stand: März 2016) sind die Verzugszinssätze wie folgt:

  • Basiszinssatz: – 0,83 %
  • Verzugszinssatz für Verbrauchergeschäfte (gemäß §288 BGB): 4,17 %
  • Verzugszinssatz für Handelsgeschäfte (gemäß §288 BGB und §352 HG): 8,17 %

Diese Zinssätze sind übrigens dank der seit Jahren andauernden, weltweiten Niedrigzinspolitik historisch niedrig, daher ist der Basiszinssatz bereits seit 1.1.2013 negativ.

Eine beispielhafte Verzugszinsrechnung für Privatpersonen

Dazu eine Beispielsrechnung: Angenommen, ein privater Schuldner versäumt es, eine zum 01.06.2016 fällige Kreditsumme von 10.000 Euro fristgerecht zurückzuzahlen. Sechs tatenlos verstrichene Monate später schaut seine unbeglichene Schuld dann wie folgt aus:

VerzugszeitraumTageZinssatzVerzugszins pro TagVerzugszinsen im gesamten ZeitraumVerzugszinsen SaldoRestschuld
01.06.2016 – 30.06.201634,17 %1,1393 €34,1803 €34,1803 €10.000 €
Summe3034,1803 €34,1803 €10.000 €
Gesamtforderung inkl. Verzugszinsen-10.034,18 €
Jeder weitere Tag ab 01.07.201614,17 %1,1393 €(10.000 €)

Binnen eines Monats sind also bei diesem Beispiel Verzugszinsen in Höhe von 34,18 Euro aufgelaufen.

Überträgt man diese Beispielszahlen übrigens auf ein Handelsgeschäft, so fallen 66,96 € statt der oben genannten 34,18 € an Verzugszinsen an.

Die Zinseszinsen spielen übrigens bei der Verzugszinsberechnung keine Rolle. Verzugszinsen werden also nicht auf Basis des zwischenzeitlich aufgelaufenen Gesamtbetrags (sprich Gesamtschuld inklusive Verzugszinsen) sondern ausschließlich auf Grundlage der nicht fristgerecht zurückgezahlten Kreditsumme berechnet. Für das Erheben von Verzugszinsen auf nicht oder verspätet beglichene Verzugszinsen ist das Entstehungsdatum besagten Verzugszinses maßgeblich. Überall im Internet finden sich übrigens Verzugszinsrechner, mit denen sich die Höhe von Verzugszinsen in Windeseile berechnen lassen.

Vermeidung von Verzugszinsen bei Zahlungsverzug

Die Verzugszinsregelung greift selbst bei einer teilweisen Begleichung der Schuld. Sollte also ein Schuldner beispielsweise zwar seine Schulden pünktlich, die Schuldzinsen aber verspätet zurückzahlen, darf der Gläubiger ebenfalls Verzugszinsen verlangen. Solchem Ungemach kann man nur entgehen, wenn der Schuldner berechtigte Mängel gelten machen kann, welche die reduzierte Zahlung legitimieren. Ein typischer Fall hierfür ist beispielsweise, wenn ein Mieter weniger Miete überweist, weil die Wohnungsheizung kaputt ist und der Vermieter diese trotz mehrfacher Aufforderung nicht repariert. Sollte allerdings nur Geldknappheit der Grund für die verspätete Schuldbegleichung sein, hilft allenfalls noch ein persönliches Gespräch mit dem Gläubiger und die Hoffnung auf Einsicht und Stundung.

Verzugszinsen fallen grundsätzlich und automatisch an und müssen auch nicht ausdrücklich im Kauf- Miet- Leasing- oder Pachtvertrag erwähnt werden. Aufgrund ihres obligatorischen Wesens genügt es bereits, wenn die Verzugszinsen in den jeweiligen Gläubiger-AGB erwähnt werden. Grund hierfür ist, dass der Gläubiger seine finanziellen Forderungen einplanen muss und bei einem Fehlverhalten des Schuldners zusätzlichen wirtschaftlichen Schaden erleidet. Da die Berechnung eines solchen Schadens sehr aufwändig und in manchen Fällen sogar unmöglich ist, hat der Gesetzgeber die Höhe der Verzugszinsen gesetzlich festgelegt. Man kann Verzugszinsen damit in etwa mit der steuerlichen Werbepauschale vergleichen, die letztlich eingeführt wurde, um allzu hohen bürokratischen Aufwand zu vermeiden. In einigen Fällen werden Verzugszinsen automatisch erhoben, in anderen dagegen muss der Gläubiger erst die Fälligkeit anmahnen, bevor er Verzugszinsen verlangen darf.

Zusätzliche Kosten bei schuldhaft verspäteter Schuldbegleichung

Zusätzlich zu den gesetzlich verankerten und damit automatisch greifenden Verzugszinsregelungen kann der Kreditgeber aber auch höhere Verzugszinsen, etwa in Form einer Vertragsstrafe, vorab vertraglich festlegen. Auch dies muss nicht in jedem Fall im Vertrag erwähnt werden, es genügt ein entsprechender Passus in den AGB.

Von gesetzlichen Regulierungen unberührt bleiben zudem eventuelle Schadensansprüche des Kreditgebers, die über die Verzugszinsregelungen hinausgehen.

Typische Zusatzkosten, die dem Gläubiger im Falle eines Zahlungsverzugs entstehen, sind beispielsweise:

  • Portokosten
  • Verzugszinsen
  • Rechtsanwaltskosten
  • Gerichtskosten
  • Auskunftskosten (z.B. zur Wohnortermittlung des Schuldners)
  • Kosten für Rückbuchungen
  • Kosten für Mahnbescheide nach Verzugseintritt (gerichtlich anerkannt sind 2,50 Euro pro Schreiben)

In der Regel sind derartige Kosten jedoch erst nach der zweiten Mahnung erstattungsfähig, und dies auch nur, wenn sie dem Schuldner konkret und direkt zurechenbar sind. Der Gläubiger muss also nachweislich belegen, dass er aufgrund einer nicht fristgerechten Kreditrückzahlung weiteren, wirtschaftlichen Schaden erlitten hat. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Kreditgeber aufgrund des Zahlungsverzugs seines Schuldners seine eigenen Rechnungen nicht fristgerecht begleichen kann und er daraufhin seinerseits Verzugszinsen bezahlen muss. Auch kann er Anlagezinsen einfordern, die ihm aufgrund einer verspäteten Zahlung entgangen sind.

Dem Finanzamt verspürt übrigens offenbar herzlich wenig Lust, sich den Schwankungen von Geldmärkten und Basiszinssätzen zu unterwerfen. Daher erhebt es bei Zahlungsverzügen viel lieber „Versäumniszuschläge“ und ist damit vollkommen unabhängig von sämtlichen Verwerfungen des Finanzmarktes sowie den damit einhergehenden Schwankungen von Basiszinssatz und Verzugszinshöhe.