So lagert die IT Wirtschaft aus: Onshoring vs. Nearshoring vs. Offshoring

Noch nie war unsere Wirtschaft so arbeitsteilig wie heute. Der rasante technische Fortschritt in den Bereichen IT, Logistik und auch bei der Infrastruktur hat in den letzten zwanzig Jahren zu einer dramatischen Umwälzung geführt. Outsourcing ist mittlerweile in fast allen Wirtschaftszweigen eine etablierte Praxis um die Effizienz zu steigern und die Kosten so niedrig wie möglich zu halten.
Waren es am Anfang vor allem Konzerne und große Mittelständler, die Ihre Kosten durch gezieltes Outsourcing senken konnten, profitieren heutzutage auch kleine Unternehmen von den vielseitigen Möglichkeiten, bestimmte Aufgaben an Spezialisten abzugeben. Über die Jahre ist ein globaler Outsourcing-Sektor mit zahllosen Anbietern entstanden, die grenzübergreifend um Aufträge konkurrieren und den Outsourcing-Boom weiter anheizen.

Unternehmen stehen daher meist nicht mehr vor der Frage, ob sie eine bestimmte Aktivität outsourcen sollen, sondern eher wie. Mit Onshoring, Nearshoring und Offshoring und sehr spezifischen Umsetzungsvarianten gibt es inzwischen eine sehr breite Auswahl an Outsourcing-Optionen.

Onshoring: Maximale Nähe und Kontrolle

Beim Onshoring werden unternehmerische Funktionen und Prozesse innerhalb des Herkunftslandes ausgelagert. Dem Auftraggeber ist eine besonders große Nähe wichtig um die Zusammenarbeit besonders reibungslos und effizient zu gestalten. Im Automobilsektor mit seiner just-in-time Produktion hat dies etwa eine große Bedeutung um Transportwege und -zeiten für Zulieferer so kurz wie möglich zu halten.

IT OutsourcingAber auch im Dienstleistungssektor wird Onshoring gerne genutzt. In vielen Firmen arbeiten Spezialisten in Teams mit der Stammbelegschaft eng zusammen, sind aber bei einem externen Dienstleister angestellt. Von punktuellen Besuchen am Standort des Auftraggebers bis hin zu einer dauerhaften Präsenz als Quasi-Mitarbeiter gibt es hier viele verschiedene Ansätze.

Auch was Arbeitsmethoden, die Sprache und bestimmte Standards betrifft, ist Onshoring oft reibungsloser. Da aber beim Onshoring deutsche Löhne gezahlt werden müssen, bleibt der Einsparungsspielraum im Vergleich zu anderen Outsourcing-Formen oft sehr begrenzt. Produktivitätsgewinne und Kostenvorteile entstehen hier vor allem durch die hohe Expertise und Spezialisierung der Outsourcing-Anbieter. Sich nicht dauerhaft an Personal binden zu müssen, kann ein weiterer Vorteil sein, ebenso der geringe bürokratische und steuerliche Aufwand.

Nearshoring: Auslagern im EU-Binnenmarkt

In der EU bedeutet Nearshoring vor allem das Auslagern bestimmter Prozesse in das innereuropäische Ausland. Dank des EU Binnenmarkts hält sich der bürokratische Aufwand in Grenzen und in vielen Bereichen haben sich grenzübergreifende Standards fest etabliert. Durch das teilweise sehr große Lohngefälle, vor allem in osteuropäischen Ländern, entstehen beim Nearshoring im Verleich zum Onshoring meist große Kostenvorteile.

Aber auch viele Firmen in Ländern außerhalb der EU haben sich den europäischen Standards angepasst, um beim Nearshoring mitmischen zu können. Länder wie Serbien oder die Ukraine spielen hier bereits eine wichtige Rolle. Die Zusammenarbeit erfolgt beim Nearshoring in der Regel auf Distanz. Dank günstiger Flugverbindungen innerhalb Europas sind aber auch regelmäßige Arbeitsbesuche auf Management-Ebene am Sitz des Auftraggebers kein Problem.

Offshoring: Maximale Kostenersparnis

Im Gegensatz zu Onshoring und Nearshoring setzen Unternehmen bei Offshoring auf maximale Kostenreduktion. Offshore-Anbieter sitzen aus europäischer aber auch US-amerikanischer Sicht meist in Asien. Während China in den letzten Jahrzehnten im Bereich industrieller Fertigung zur Wirtschaftsmacht aufstieg und zur so genannten Werkbank der Welt wurde, hat sich Indien im Bereich der IT Dienstleistungen die Spitzenposition erarbeitet.

In beiden Ländern machen die Personalkosten im Vergleich zu Europa oft nur einen Bruchteil aus. Was die Professionalität und Produktqualität betrifft, können aber etablierte Offshore-Anbieter mit westlichen Firmen oft schon mithalten. Fast die komplette Smartphone-Produktion wird daher heutzutage in Asien verrichtet. Die Firma Foxconn ist hier ein großer Player – mit über einer Million Angestellten.

Indien hat sich im Gegensatz zu China auf IT Dienstleistungen spezialisiert und ist in diesem Bereich der unangefochtene Marktführer. (Marktanteil weltweit über 50%) Als ehemalige englische Kolonie und etablierte Demokratie fand das Land schon früh Anschluss an die immer globaler und arbeitsteiliger operierende Weltwirtschaft. Und schon vor Jarhzehnten begann Indien seinen Ausbildungssektor auf IT auszurichten.

Beim IT Offshoring nach Indien mischen alle großen IT Konzerne kräftig mit und unterhalten dort große eigene Standorte (IBM:150.000, Accenture: 80.000, Oracle: 31.000). Zahlenmäßig findet ein Großteil des IT Offshorings aber vor allem durch indische Outsourcing-Anbieter statt, die Ihre spezialisierten Dienste auf Vertragsbasis anbieten. Gerade die Bereiche Softwareentwicklung, Web Entwicklung und und Business Process Outsourcing (BPO) spielen hier eine wichtige Rolle.

Dem großen Kostenvorteil von Offshore Outsourcing steht aber ein deutlich größerer Organisationsaufwand und auch ein gewisses Risiko gegenüber. Dies gilt vor allem für neue Kooperationen, bei denen man auf die Versprechungen und Referenzen des Offshore Anbieters vertrauen muss. Eine deutsche IT Outsourcing Agentur kann hier eine wichtige Brücke schlagen und sowohl das Geschäftsrisiko als auch den Koordinationsaufwand auf ein Minimum beschränken.

Markus Kasanmascheff informiert als Consultant der outsourcing4work GmbH zu den Themen Business Process und IT Outsourcing. outsourcing4work hat sich auf die Vermittlung von IT Fachkräften aus Indien spezialisiert und hilft Unternehmen bei der kostengünstigen Umsetzung auch komplexer IT Projekte