Merck KGaA will Performance-Materials-Sparte stärken

Der Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern Merck möchte seine Umsätze als Zulieferer für die Elektronikindustrie ausbauen, deswegen visiert er die Übernahme des Spezialchemieproduzenten AZ Electronic Materials an. 40 % der Aktionäre haben bereits ihre Zustimmung zu dem Deal erteilt.

Übernahmeangebot für AZ Electronic Materials verlängert

Dezember 2013 überraschte der DAX-Konzern mit der Nachricht, dass er die große Mehrheit an dem britischen Spezialchemiehersteller AZ Electronic Materials erwerben will. Dafür bietet die Gesellschaft 403,5 Pence pro Aktie, der Preis liegt deutlich über dem durchschnittlichen Aktienkurs der drei Monate zuvor.

Mittlerweile verzeichnen die Hessen Angebote für rund 40 % der Anteilsscheine, die Übernahmefrist verlängerten die Hessen nun. Das Unternehmen will den Aufkauf erst bei einem Volumen von 95 % der Aktien realisieren. Der Preis würde in diesem Fall 1,9 Milliarden Euro betragen. Bis zu dieser selbst gesteckten Marke besteht noch eine beträchtliche Lücke, die Darmstädter zeigen sich jedoch zuversichtlich.

Was sich der Konzern von einem Aufkauf verspricht

Frau experimentiert im LaborMit dem Deal zielt das Unternehmen auf die Stärkung seines Performance-Materials-Bereichs, einem von zwei Säulen der Chemiesparte. In diesem Sektor produzieren die Darmstädter Flüssigkristalle, die zum Beispiel beim Bau von LCD-Bildschirmen Anwendung finden. Dank AZ Electronic Materials könnte der DAX-Konzern viele weitere Felder im Bereich elektronischer Geräte abdecken.

Die britische Firma, die ehemals zum Frankfurter Hoechst-Unternehmen zählte und bei einer Übernahme zu den deutschen Wurzeln zurückkehren würde, stellt unter anderem Komponenten für Smartphones und Tablet-PCs her. Bei einem Zusammengehen könnten Merck (offizielle Homepage) und AZ Electronic Materials ihre Kräfte auf diesem Markt bündeln. Das sehen nicht nur die Darmstädter als erreichbares und unterstützenswertes Ziel, auch das Management des Übernahmekandidaten plädiert für den Aufkauf.

Gut aufgestellt: Das breite Produktsortiment der Hessen

Kürzlich konnte der DAX-Konzern seinen Umsatz beständig steigern, mittlerweile erwirtschaftet er mit rund 40.000 Beschäftigten über 10 Milliarden Euro jährlich. Auch das Ergebnis pro Aktie entwickelte sich positiv, Anteilseigner konnten sich über stark steigende Kurse und Dividenden freuen.

Dieser erfreuliche Trend basiert darauf, dass sich die Hessen auf mehreren attraktiven Märkten als führender Anbieter hochwertiger Produkte etabliert haben. Das gilt zum Beispiel in der Messtechnik, die Darmstädter versorgen Labore unter anderem mit innovativen HPLC-Säulen (mehr Infos hier). In der Pharmasparte verdient das Unternehmen zudem mit vielen verschreibungspflichtigen Originalpräparaten Milliarden. Dazu zählen Krebsimpfstoffe, Medikamente für Diabetiker und bei Herz-Kreislauf-Störungen.

Chemie- und Pharmariese weiterhin auf Wachstumskurs

Der DAX-Konzern (als Spezialist für Arzneien, Messtechnik und andere pharmazeutische und chemische Produkte kann auf eine positive Firmenentwicklung zurückblicken, mit Investitionen will er den Trend fortsetzen. Der fast zwei Milliarden schwere Aufkauf von AZ Electronic Materials würde einen weiteren Meilenstein in der Unternehmensgeschichte darstellen. Ob der Coup gelingt, hängt von den Aktionären der britischen Gesellschaft ab.