Mehrwertsteuer berechnen

Auf fast allem, was wir täglich kaufen, ist die sogenannte Mehrwertsteuer bereits enthalten. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen für Dienstleistungen, bei denen keine Mehrwertsteuer fällig wird, so zum Beispiel bei bestimmten Leistungen von Ärzten, dem Eintritt in das Museum oder in ein Theater. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz existiert in Deutschland seit 1968. Mit ihm sollten eigentlich Produkte, die dem Gemeinwohl dienen und für das Existenzminimum notwendig sind, steuerlich privilegiert werden. Daher spielt der reduzierte Mehrwertsteuersatz insbesondere bei Lebensmitteln, im Nahverkehr sowie bei Kulturgütern wie Büchern eine erhebliche Rolle. Insgesamt handelt es sich bei 75 Prozent der von der Mehrwertsteuervergünstigung profitierenden Produkte um Lebensmittel. In der Summe kosten diese Mehrwertsteuerermäßigungen den deutschen Staat jährlich in etwa 23 Milliarden Euro.

Reduzierter oder voller Mehrwertsteuersatz?

Die unterschiedliche Höhe der Mehrwertsteuer auf einzelne Produktgruppen ist eigentlich nur das Ergebnis jahrzehntelanger, erfolgreicher Lobbyarbeit der beteiligten Unternehmerverbände. Welche Produktgruppen steuerlich bevorzugt werden, entbehrt manchmal nicht nur der Logik, sie treibt sogar bisweilen bizarre Blüten. So wird bei Babynahrung der normale Mehrwertsteuersatz draufgeschlagen, bei Tiernahrung jedoch nur der reduzierte. Auch macht es in der mehrwertsteuerlichen Betrachtung einen erheblichen Unterschied, ob man Tomatenmark oder Tomatenketchup kauft, oder etwa Pilze erwirbt, die mit oder ohne Essig eingelegt wurden.

Während urgesunde Mineralwässer und Fruchtsäfte dem vollen Mehrwertsteuersatz unterliegen, gilt für gesundheitlich und ökologisch eher bedenkliche Produkte wie Riesengarnelen, Wachteleier oder Froschschenkel der reduzierte Satz.

Und ein aus frischen Materialien gefertigter Adventskranz wird gegenüber einem aus getrockneten Zweigen bestehenden – aus welchen Gründen auch immer – steuerlich begünstigt.

Diese Liste ließe sich beliebig verlängern und sorgt regelmäßig für Heiterkeit bei Kabarettisten, Unternehmensversammlungen sowie den nationalen und europäischen Parlamenten – natürlich ohne, dass sich daran etwas Wesentliches ändert, denn das werden die Lobbyisten-Verbände schon zu verhindern wissen.

Mehrwertsteuer oder Umsatzsteuer?

Eigentlich ist „Mehrwertsteuer“ nur der umgangssprachliche Oberbegriff für die Umsatzsteuer oder Vorsteuer. Steuerrechtlich wird der Begriff „Mehrwertsteuer“ nicht mehr verwendet, man findet ihn aber oftmals (als MWSt abgekürzt) auf Quittungen oder Rechnungen.

Grob gesagt bezeichnet die Umsatzsteuer den Oberbegriff und die Mehrwertsteuer nur die Methode, nach der die Umsatzsteuer erhoben wird. Aus Sicht der Unternehmen wird die Umsatzsteuer kostenneutral von Unternehmen zu Unternehmen durchgereicht und bleibt letztlich beim Endkunden hängen. Denn erst durch dessen endgültigen Erwerb verteuert sich die Ware oder die Dienstleistung.

Aufgrund der zusätzlichen Steuer ist das Produkt nun für ihn „mehr wert“. Wenngleich manchmal auch Unternehmer untereinander von Mehrwertsteuer sprechen, wird dieser Begriff daher vornehmlich mit Endkunden oder Endverbrauchern in Zusammenhang gebracht.

Mehrwertsteuersätze in Deutschland und der EU

MehrwertsteuerIn Deutschland gilt der allgemeine Mehrwertsteuersatz von 19% auf die meisten Produkte und Dienstleistungen. Für bestimmte Dinge gibt es den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7%, hierzu gehören beispielsweise:

  • Salat
  • Gemüse
  • Mehl
  • Wasser
  • Bücher, Zeitungen

Bereits seit vielen Jahren versucht der EU-Ministerrat, die EU-weiten Mehrwertsteuersätze zu harmonisieren, bislang allerdings mit eher bescheidenem Erfolg.

Nach EU-Recht bestimmt nach wie vor alleine die jeweilige Landesregierung über ihren nationalen Mehrwertsteuersatz.

Dies ist weltweit für jede Nation die vielleicht wichtigste, fiskalische Stellschraube überhaupt. Jede nationale Regierung kann seine eigenen Mehrwertsteuersätze nach Belieben festlegen – und die meisten tun dies auch ebenso häufig wie spontan.

Die nachfolgende Tabelle über die EU-weiten Mehrwertsteuersätze ist daher als ein temporärer Zwischenstand des Jahres 2017 zu betrachten, der sich jederzeit ändern kann.

Weltweiter Rekordhalter in Sachen Mehrwertsteuersatz ist übrigens derzeit Ungarn mit satten 27 Prozent. Deutschland dagegen befindet sich mit seinen 19 Prozent global betrachtet in mittleren Regionen.

Mehrwertsteuersätze in verschiedenen Mitgliedsstaaten der EU

LandAllgemeiner MwSt.-SatzReduzierter MwSt.-Satz
Deutschland19%7%
Spanien21%10%
Italien22%10%
Luxemburg17%8%
Niederlande21%6%
Vereinigtes Königreich20%5%
Slowakei20%10%
Lettland21%12%
Estland20%9%
Bulgarien20%9%

MwSt. Rechner

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Mehrwertsteuer berechnen: Formel

Nachfolgend nenne ich die Formel für die Mehrwertsteuer-Berechnung.

Formel: vom Netto-Preis zum Brutto-Preis

Brutto-Preis = Netto-Preis * (1 + Mehrwertsteuersatz / 100)

Formel: im Brutto-Preis enthaltene Mehrwertsteuer berechnen

MwSt. = (Brutto-Preis / (100 + Mehrwertsteuersatz) ) * Mehrwertsteuersatz

Formel: Mehrwertsteuer vom Netto-Betrag berechnen

MwSt. = (Netto-Preis * Mehrwertsteuersatz) / 100

MwSt. Berechnung Beispiele

Beispiel: vom Netto-Preis zum Brutto-Preis

Der Netto-Preis beträgt 100€, der Mehrwertsteuersatz liegt bei 19%. Wie hoch ist der Brutto-Betrag?

Brutto-Preis = 100 * (1 + 19 / 100)

Brutto-Preis = 119€

Beispiel: im Brutto-Preis enthaltene Mehrwertsteuer berechnen

Ein Fernseher kostet im Laden 200€ brutto, der Mehrwertsteuersatz liegt bei 19%. Wie hoch ist der Netto-Preis?

MwSt. = (200 / (100 + 19) ) * 19

MwSt. = gerundet: 31,93€

Beispiel: Mehrwertsteuer vom Netto-Betrag berechnen

Der Netto-Preis eines Apfels liegt bei einem Euro, der Mehrwertsteuersatz beträgt 7%. Wie hoch ist die Mehrwertsteuer, die auf den Brutto-Preis aufgeschlagen wird?

MwSt. = (1 * 7) / 100

MwSt. = 0,07€

Wie hat sich die MwSt. in Deutschland über die Zeit verändert?

Änderung abalter Mehrwertsteuersatzneuer Mehrwertsteuersatz
197812%6%
197913%6,5%
198314%7%
199315%7%
199816%7%
200719%7%