Magisches Viereck mit wirtschaftspolitischen Zielen

Das magische Viereck besteht aus vier wirtschaftspolitischen Zielen, die sich gegenseitig beeinflussen. Das Erreichen jedes dieser Ziele ist theoretisch überaus wünschenswert – aber praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Die Bezeichnung „magisch“ rührt nämlich daher, dass zwischen diesen positiven Zielen Konflikte und komplexe Wechselwirkungen bestehen. Die führen dazu, dass das Erreichen eines Ziels häufig kaum vermeidbare, negative Auswirkungen auf die anderen Ziele hat und damit deren Realisierung erschweren.

Die Verfolgung eines Ziels geht also häufig zu Lasten eines anderen Ziels. Verantwortungsvoll agierenden, wirtschaftspolitischen Entscheidern muss daher stets daran gelegen sein, alle diese vier Ziele in eine gewisse Balance zu bringen – was in der Praxis bedeutet, keines dieser Ziele zu vernachlässigen. Für Anleger ist es daher ungemein wichtig, die sich aus dem magischen Viereck ergebenden Zielkonflikte zu verstehen, um vorausschauend und erfolgreich agieren zu können.

Das magische Viereck, von dem in der Volkswirtschaftslehre oft gesprochen wird, umfasst die folgenden vier wirtschaftspolitischen Ziele der Wirtschaftspolitik:

  1. hohe Beschäftigungszahlen
  2. Preisstabilität
  3. stetiges, angemessenes Wachstum der Wirtschaft
  4. außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Das magische Viereck

Magisches Viereck mit den wirtschaftspolitischen Zielen

Magisches Viereck mit den wirtschaftspolitischen Zielen

Ziel 1: Hohe Beschäftigungszahlen

Anhand der Arbeitslosenquote wird die Erreichung dieses Ziels gemessen. Je geringer die Arbeitslosenquote ist, desto mehr Menschen haben eine bezahlte Arbeit, was natürlich für eine Volkswirtschaft erstrebenswert ist. In Deutschland liegt die Arbeitslosigkeit bei derzeit etwa 6% (Stand: 2017).

Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die jeweiligen Regierungspolitiker die Berechnungsgrundlagen der Arbeitslosigkeit häufig abändern, um eine möglichst niedrige, offizielle Arbeitslosenquote zu erreichen und sich damit wahltaktische Vorteile zu verschaffen. Wenn man die derzeitige Beschäftigungssituation mit den statistischen Methoden vergangener Jahrzehnte beleuchtet, ergäbe sich vermutlich eine zweistellige Arbeitslosenquote.

Unbestritten ist jedoch trotz der signifikanten Zunahme sozialversicherungsfreier Beschäftigungsverhältnisse, dass hohe Beschäftigungszahlen zu erhöhten Steuereinnahmen für den Staat führen. Wenn schon nicht direkt über die Sozialabgaben, so doch indirekt durch die gestiegene Kaufkraft der Beschäftigten, welche Konsumerhöhungen und damit erhöhte Mehrwertsteuereinnahmen zur Folge hat. Darüber hinaus gilt: je höher die Beschäftigungsquote, desto geringer sind die staatlichen Sozialausgaben, etwa in Form von Arbeitslosenunterstützung, Beschäftigungsmaßnahmen, staatlichen Zuschüssen für Weiterbildung oder finanzieller Unterstützung von sozial Bedürftigen.

Die Erhöhung von Beschäftigungsquote und damit auch der Kaufkraft führt aber auch zu einer erhöhten Nachfrage, was wiederum eine höhere Inflationsquote nach sich zieht. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, welches zeigt, dass sich die vier Ziele des magischen Vierecks gegenseitig negativ beeinflussen können.

Ziel 2: Preisstabilität

Die Stabilität der Preise wird durch die sogenannte Inflationsrate angezeigt. Die Inflationsrate ergibt sich aus der Preissteigerung von üblichen Konsumprodukten. Je geringer die Inflationsrate, desto höher ist die Preisstabilität. Wünschenswert im volkswirtschaftlichen Sinn ist eine Inflationsrate von zwei bis vier Prozent, denn eine zu hohe Preisstabilität kann sich negativ auf die Nachfrage auswirken.

Keinesfalls wünschenswert ist jedoch eine Hyperinflation die durch einen sehr starken Preisanstieg gekennzeichnet ist. Die kann eintreten, wenn der Staat die Gelddruckmaschinen anwirft, d.h. zur Bezahlung seiner Schulden, Ausgaben und Investitionen ungedecktes Geld auf den Markt wirft. Diese Politik führt zur Kapitalflucht und zu einer Flucht in Sachwerte. Es wird weit weniger konsumiert und investiert. In einer Abwärtsspirale gefangen ist der Staat dazu gezwungen, immer mehr Geld zu drucken und die Verzinsung seiner Staatsanleihen zu erhöhen, um weiterhin zahlungsfähig zu bleiben und seine Ausgaben decken zu können.

Dieses Schicksal könnte beispielsweise mit hoher Wahrscheinlichkeit Griechenland ereilen, wenn sie den Euroraum verlassen und versuchen, ihre enormen Schulden im In- und Ausland mit einer eigenen, nationalen Währung zu begleichen. Bereits jetzt bezahlt der griechische Staat für seine langfristigen Staatsanleihen bis zu 7 Prozent Zinsen. Im Falle eines Austritts aus dem Euroraum wird diese Verzinsung drastisch steigen und dabei innerhalb Griechenlands zu einem ganz massiven Preisanstieg zumindest bei Exportgütern führen.

Ziel 3: Stetiges, angemessenes Wachstum der Wirtschaft

Das Ziel des stetigen und angemessenen Wirtschaftswachstums beschreibt, dass der Wohlstand konstant gesteigert werden soll. Messgrößen sind das reale Bruttonationaleinkommen und das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wünschenswert ist dabei ein langfristig gleichbleibender, langsamer Anstieg. Ruckartige Wachstumsschübe dagegen führen zu massiven wirtschaftlichen Verwerfungen, die im schlimmsten Fall zu Nachfrageeinbrüchen, Insolvenzen und Massenentlassungen führen können.

Wirtschaftswachstum führt letztlich immer zu einer erhöhten Beschäftigungsquote sowie einer Kaufkraftsteigerung und damit zu einer gewissen Geldentwertung. Daraus folgt, dass letztlich die Ziele des Wirtschaftswachstums und der Preisstabilität nicht vereinbar sind.

Ein berühmter Ausspruch von Altkanzler Schmidt aus dem Jahr 1972 lautete:

„Lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit“.

Mit diesen vielzitierten Worten hatte er das magische Viereck im Blick und brachte damit dessen grundlegendes Dilemma auf den Punkt.

Ziel 4: Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Der Messwert für das außenwirtschaftliche Gleichgewicht ist die Außenbeitragsquote. Das Ziel ist, dass sich eingehende und ausgehende Zahlungen in Bezug auf den Handel mit anderen Ländern grob die Waage halten. In Deutschland kommt es in der Regel zu einem Exportüberschuss. Erreichen lässt sich ein gewisses außenwirtschaftliches Gleichgewicht durch die Einführung von Export-Zöllen oder Einfuhrbeschränkungen, wie sie bei abgeschotteten Märkten wie derzeit beispielsweise Nordkorea Gang und Gäbe sind. Die Währung eines Landes mit einem zu hohen Exportüberschuss ist dagegen stets einem starken Aufwertungsdruck unterworfen und verärgert darüber hinaus andere Länder. Die können dadurch weniger exportieren und müssen mehr importieren, was zu einer negativen Handelsbilanz führt.

Deutschland mit seinen exorbitanten Exportüberschüssen wird daher ständig von seinen internationalen Handelspartnern kritisiert. Inzwischen fordern sogar Weltbank und EU, dass Deutschland sein Lohnniveau erhöht, um damit die Preise deutscher Produkte zu verteuern – sprich weniger wettbewerbsfähig zu machen – und zugleich die Binnennachfrage anzuregen.

Magisches Viereck Zielkonflikte

Wünschenswert wäre eigentlich, alle vier Ziele gleichzeitig zu erreichen. Doch wenn man sich genauer mit dem Thema beschäftigt wird klar, dass sich Ziele auch widersprechen können. Beispielsweise kann eine sinkende Arbeitslosenquote zur Folge haben, dass die Preise steigen, da mehr Nachfrage vorhanden ist. Auch zwischen den Zielen 2 und 3 bestehen Zielkonflikte, da ein starkes Wirtschaftswachstum in der Regel auch mit einer hohen Inflation verbunden ist. Die klügste Wirtschafspolitik besteht folglich darin, sämtliche vier Ziele im Blick zu behalten, ihnen parallel und behutsam zuzuarbeiten, ohne dass eines davon ins Hintertreffen gerät.