Inflation & Deflation (Inflationsrate)

In diesem Artikel werden die Inflation & Deflation definiert und erklärt. Zur Sprache kommen natürlich auch die Inflationsrate und die Deflationsrate.

Inflation Definition & Erklärung

Inflation ist mit einer Wertminderung des Geldes beziehungsweise einer Steigerung des allgemeinen Preisniveaus zu definieren. Wörtlich bedeutet Inflation ‚größer werden‘ oder ‚aufblasen‘. Wenn die reale Geldmenge eines Landes schneller wächst als die dortige Produktion, kommt es zu einer Steigerung der Durchschnittspreise durch die erhöhte Nachfrage nach Dienstleistungen und Gütern.

Darüber hinaus kann eine Inflation durch eine Weiterberechnung höherer Kosten an den Endverbraucher verursacht werden. In der Regel handelt es sich dann um Produktions- oder Rohstoffkosten, die entsprechend gestiegen sind, aber auch um gestiegene Steuersätze. Es kann aber natürlich auch sein, dass das Unternehmen mit einer Verteuerung seiner Produkte auf einfachste Weise seine Gewinnspanne erhöhen will. Diese Preiserhöhung könnte beispielsweise aufgrund einer Marktmonopolisierung oder auch einer gestiegene Nachfragen realisierbar sein. Aber egal, ob die Produktpreise durch gestiegene Kosten unabdingbar oder durch das Ausnutzen einer marktbeherrschenden Stellung durchgesetzt wird, durch die auftretende Preissteigerung kommt es zu einer Wertminderung des Geldes. Das heißt: Für dieselbe Geldmenge kann man weniger kaufen als zuvor. Natürlich muss sich dies nicht unmittelbar schlecht auf die Kaufkraft auswirken. Diese sinkt in der Regel erst dann, wenn die Preise im Allgemeinen schneller steigen als die Löhne. Aus eben diesem Grund treten Gewerkschaften zumeist mit der Minimal-Forderung eines Inflationsausgleiches in Tarifverhandlungen ein.

Die Inflationsrate

Makroökonomie Schlagwörter

Das Statistische Bundesamt Destatis ermittelt in Deutschland die Inflationsrate, indem sie statistische Informationen zu Gesellschaft, Wirtschaft sowie Umwelt sammelt und analysiert. Die aufbereiteten Informationen werden dabei täglich in mehr als 390 Statistiken veröffentlicht. Die Inflationsrate wird monatlich und über das gesamte Jahr hinweg ermittelt und berechnet.

Ermittelt wird sie mit Hilfe der Geldentwertung (Preisniveauanstieg). Diese zeigt auf, wie sich das Preisniveau innerhalb eines Monats oder Jahres prozentual verändert. In den meisten Fällen wird der Verbraucherpreisindex zur Inflationsmessung herangezogen. Hierbei wird jedes Jahr ein Warenkorb mit den gleichen Produkten zusammengestellt und die prozentuale Preisveränderung kann festgestellt werden.

Nachfrage- und Angebotsinflation

Inflation auf StraßenschildDie Entstehung einer Inflation kann unterschiedliche Ursachen haben. In der Regel werden Nachfrage- und Angebotsfaktoren unterschieden. So entsteht eine Nachfrageinflation, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg die gesamtwirtschaftliche Güternachfrage das Güterangebot übersteigt. Unternehmen werden in diesem Fall der Güterknappheit häufig dazu verleitet, die Produktpreise anzuheben. Bei einer Angebotsinflation kommt es wiederum zu Kostensteigerungen im Produktionsbereich, wie zum Beispiel Zinserhöhungen, Rohstoff- und Energiepreise oder Erhöhungen in der Lohnabrechnung, die über die Preise der angebotenen Waren an den Endverbraucher weitergegeben werden.

Wie wirkt sich eine Inflation aus?

Grundsätzlich nimmt eine Inflation Einfluss auf die Vermögens- und Einkommensverteilung, den Beschäftigungsgrad und das Wirtschaftswachstum. Eine leichte Inflation von 0 bis 5 Prozent hat in Bezug auf die Nachfrage durchaus noch eine fördernde Wirkung, weil die Verbraucher Geld investieren oder ausgeben wollen. Bei einer schweren Inflation von mehr als 5 Prozent verliert Geld seinen Wert allerdings schneller als die Waren. Die Folge ist eine Senkung der Reallöhne.

Da festverzinsliche Wertpapiere (zum Beispiel Unternehmens- oder Staatsanleihen) dann entwertet werden, zählen die Inhaber von Geldvermögen bei einer solchen Inflation zu den größten Verlierern. Aus genau diesem Grund sind die Staatsanleihen wirtschaftlich instabiler Länder deutlich höher verzinst, als die von wirtschaftlich gesunden Ländern. So beträgt der Zinssatz zehnjähriger, deutscher Staatsanleihen derzeit (Februar 2017) 0,19 Prozent, der griechischer Staatsanleihen dagegen 7,25 Prozent. Bei deutschen Bundesanleihen mit kurzer Laufzeit gab es im Frühjahr 2015 sogar negative Renditen. Der Staat profitiert hingegen teilweise von der Inflation, da es zu einer deutlichen Abnahme des Realwertes seiner Verschuldung kommt. Geldentwertung durch absichtlich beigeführte Inflation gehört daher zu den beliebtesten Methoden eines überschuldeten Staates, seine Finanzen in Ordnung zu bringen. Kehrseite dieser Politik ist aber natürlich, dass dadurch die eigene Währung abgewertet wird und sich dadurch die Importe wesentlich verteuern. Dies ist insbesondere für ärmere Länder mit niedrigem Produktionsniveau gefährlich. Denn zwar werden Exporte durch eine weiche Währung begünstigt, wenn das betroffene Land jedoch mit seinen Produkten international nicht konkurrenzfähig ist, dann bleibt dessen Exportquote gering.

Inflationsrate Beispiel

Um die Berechnung der Inflationsrate zu veranschaulichen, wird nachfolgend eine Beispielsrechnung eines vereinfachten Warenkorb-Modells vorgestellt. In diesem Beispiel gibt es drei Produkte:

  • Mehl
  • Wasser
  • Milch

2014 kostete eine Einheit Mehl 1,00€, eine Einheit Wasser 0,50€ und eine Einheit Milch 2,00€ = 3,50€

2015 kostete eine Einheit Mehl 1,10€, eine Einheit Wasser 0,50€ und eine Einheit Milch 2,20€ = 3,80€

Die Inflationsrate beträgt also 3,50€ / 3,80€ = ca. 8,5%

Was ist Deflation (Deflationsrate)?

Deflation ist das Gegenteil von Inflation. Hierbei handelt sich um einen generellen Verfall der Preise für Dienstleistungen und Waren, im Gegensatz zur Geldentwertung bei einer auftretenden Inflation. Bei einer Deflation steigt der Geldwert, da mehr Waren gekauft werden können.

Die allermeisten Wirtschaftskrisen wurden übrigens bislang durch Deflationen verursacht, daher setzen Politik und Finanzwirtschaft alles daran, diese zu vermeiden und nehmen stattdessen lieber eine Inflation in Kauf.

Die wünschenswerte Inflation

Während in früheren Zeiten eine Inflation fast ausschließlich als negativ bewertet wurde, warnen heutzutage Wirtschaftswissenschaftler und Zentralbanken vor einer zu geringen Geldentwertung. Grund dafür ist, dass sich eine Inflation stets positiv auf die Kauflaune der Konsumenten auswirkt, denn bereits morgen könnte ja die begehrte Ware teurer sein. Bei einer nicht durch Geldmangel induzierten Deflation werden die Produkte jedoch immer preisgünstiger. Dies führt dazu, dass sich die Konsumenten und auch die Unternehmen tendenziell mit nicht dringend benötigten Investitionen zurückhalten. Dies lässt sich übrigens im IT-Markt exemplarisch beobachten:

Seit es Computer gibt, werden sie immer leistungsfähiger bei ungefähr gleichbleibenden Preisen – in der Gesamtbetrachtung werden sie also seit Jahrzehnten immer preisgünstiger. Aber trotz aller Preisschlachten und Werbefeldzüge gibt es keinen anhaltenden Kaufboom in diesem Segment, da ja der Computer bereits morgen mit Sicherheit noch leistungsfähiger – und damit noch preisgünstiger – sein wird.

Eine fehlende Inflation wirkt sich also negativ auf die Kauflaune der Konsumenten aus.

Die Notenbanken nehmen daher den negativen Effekt der Geldentwertung gerne in Kauf, um im Gegenzug die Investitionsbereitschaft von Unternehmen und Verbrauchern zu stärken.

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