Gewerbesteuer berechnen

Die winwerbesteuer wird von Städten und Kommunen erhoben. Laut Angaben des statistischen Bundesamtes betrugen die bundesweiten Gewerbesteuereinnahmen im Jahr 2014 43,8 Milliarden Euro. Dies waren 1,7 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Damit decken die Gewerbesteuern in etwa 80 Prozent der gesamten, kommunalen Realeinkommen ab. Damit ist die Gewerbesteuer die mit weitem Abstand wichtigste Einnahmequelle von Städten und Gemeinden.

Wie hoch ist die Gewerbesteuer?

Städte und Gemeinden können völlig selbständig über die Höhe der Gewerbesteuer entscheiden und diese auch immer wieder mal anpassen. Daher existieren bundesweit gravierende Unterschiede in Bezug auf die Höhe der Gewerbesteuerhöhe.

In wirtschaftlich gut aufgestellten Regionen kann die Gewerbesteuer mehr als doppelt so hoch sein als bei industrieschwachen Standorten.

Aus diesem Grund entscheidet auch oft der jeweilige Gewerbesteuer-Hebesatz darüber, wo sich ein Unternehmen letztlich ansiedelt. Die Höhe der Gewerbesteuer ist quasi den Marktgesetzen unterworfen, denn hier treten letztlich Gemeinden gegeneinander in Konkurrenz.

In neun Bundesländern überstieg das Gewerbesteuer-Aufkommen die Vorjahreswerte, in den sieben anderen Ländern war es umgekehrt.

Die höchsten Zuwächse konnten Bremen und Berlin verbuchen, während Schlusslicht Schleswig-Holstein mit -4,5 % den höchsten Rückgang verkraften musste.

Wer muss Gewerbesteuern bezahlen?

Häufchen mit MünzenGrundsätzlich unterliegt jeder wirtschaftlich tätige Betrieb der Gewerbesteuerpflicht. Das Finanzamt geht zudem auch dann von einem Gewerbe aus, wenn eine selbständige Tätigkeit ausgeübt und als dauerhafte Erwerbsquelle genutzt wird. Dies umfasst auch die Teilnahme am wirtschaftlichen Verkehr, also bei einem Güter- oder Leistungsaustausch.

Von der Gewerbesteuerpflicht komplett ausgenommen sind allerdings etliche Branchen, die im GewStG § 3 konkret benannt werden, beispielsweise

  • Hochseefischerei
  • Krankenhäuser
  • Land- und Forstwirtschaft oder auch
  • bestimmte Unternehmensbeteiligungsgesellschaften.

Zudem sind auch Kleingewerbe nicht der Gewerbesteuer unterworfen.

Ein Kleingewerbe liegt vor, wenn der Jahresumsatz, also die Summe der umsatzsteuerpflichtigen Betriebseinnahmen, den Wert von 17.500 Euro pro Jahr nicht übersteigt. In diesem Fall fallen weder Umsatzsteuer noch Gewerbesteuer an.

Stattdessen zahlt der Kleingewerbe-Treibende, der auch Kleinunternehmer genannt wird, gemäß §15 Einkommensteuergesetz (EStG) Einkommenssteuer wie ein abhängig Beschäftigter.

Berechnung der Besteuerungsgrundlagen

Die Basis um die Gewerbesteuer am Rechner zu ermitteln bildet der sogenannte Gewerbeertrag des Unternehmens, also dessen Gewinn:

  • Für Personengesellschaften und Einzelunternehmen ergibt sich dieser nach den gesetzlichen Regelungen des Einkommensteuergesetzes (EStG).
  • Kapitalgesellschaften dagegen müssen gemäß § 7 GewStG darüber hinaus die Vorschriften des Körperschaftsteuergesetzes (KStG) beachten.

Die genaue Berechnung der Gewerbesteuer erfolgt zunächst in drei Schritten:

  1. Ausgangspunkt für die Gewerbesteuerberechnung ist der gemäß den Vorschriften von GewStG, EStG sowie (bei Kapitalgesellschaften) KStG ermittelte Gewerbebetriebs-Gewinn.
  2. Auf diesen Gewinn werden bestimmte Beträge hinzugerechnet, wie sie sich dem Sinn nach aus § 8 GewStG ergeben.
  3. Abschließend wird dieser Betrag durch Kürzungen vermindert, die aus den Regelungen von § 9 GewStG abgeleitet werden.

Am Ende dieser Kalkulation steht der maßgebliche Gewerbeertrag. Gemäß § 10 GewStG ist davon noch – sofern vorhanden – der Verlustvortrag vorangegangener Erhebungszeiträume abzuziehen.

Die Möglichkeit der Anrechnung dieses gewerbesteuerlich relevanten Verlustvortrags besteht vornehmlich dann, wenn der maßgebliche Gewerbeertrag der Vorjahre (Gewinn + Hinzurechnungen – Kürzungen) negativ war. In diesem Fall kann der Verlustvortrag quasi als zu erwartender Verlust vorab in die künftige Berechnung der Gewerbesteuer einfließen.

Abzugsfähige Kosten und Freibeträge

Dann gibt es noch – ganz ähnlich wie bei der Werbekostenpauschale der Einkommensteuererklärung – auch bei der Gewerbesteuererklärung abzugsfähige Kosten, die bei der „Hinzurechnung“ genannt werden.

Es gibt hier einen Freibetrag von 100.000 Euro, der grundsätzlich in die Berechnung miteinfließt. Dies jedoch nur bis zur Höhe des abgerundeten Gewerbeertrags. Neben diesem Gewerbesteuerfreibetrag sind zahlreiche weitere Kosten hinzurechnungsfähig.

Laut § 8 GewStG zählen dazu vor allem:

  • Sämtliche Zinsaufwendungen, Renten und dauernde Lasten
  • 25 % der Kosten für Lizenzen und Konzessionen
  • 20 % der Mieten, Pachten und Leasingverträge bei beweglichem Anlagevermögen
  • 65 % der Mieten, Pachten und Leasingverträge bei unbeweglichem Anlagevermögen
  • steuerbefreite Streubesitz-Dividenden bei einer Kapitalgesellschafts-Beteiligung von unter 15 %
  • Bestimmte Spenden, etwa an gemeinnützige Einrichtungen (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 KStG)
  • Gewinnanteile stiller Gesellschafter (zu 25 Prozent)

Zusammengenommen ergeben all diese Kostenfaktoren und pauschalierten Finanzierungsanteile zusammen mit dem Freibetrag die abzugsfähige Ausgangsgröße. Das Resultat ist die Ausgangsgröße, von der sich 25 Prozent hinzurechnen lassen.

Berechnung des maßgebenden Gewerbesteuerertrags

Zur Verdeutlichung dieser ziemlich komplizierten Ermittlung der Gewerbesteuer folgt nun eine kleine Beispielrechnung für die Gewerbesteuer-relevante Hinzurechnung von Zinsen und Finanzierungsanteilen:

Zinsaufwendungen310.000€
Aufwendungen für Konzessionen und Lizenzen von insgesamt 200.000 Euro mit 25 Prozent pauschaliertem Finanzierungsanteil50.000€
Mieten von beweglichem Anlagevermögen in Höhe von 200.000 Euro mit einem 20 prozentigen Finanzierungsanteil40.000€
Summe400.000€
Abzüglich des 100.000 Euro Hinzurechnungs-Freibetrags
(400.000 - 100.000)
300.000€
Davon 25 Prozent75.000€

In diesem Beispiel beträgt also der maßgebende Gewerbesteuerertrag 75.000 Euro. Dieser bildet die Grundlage um die Gewerbesteuer zu berechnen.

Im nächsten Schritt muss zunächst der Steuermessbetrag ermittelt werden. Aber zuvor wird noch ein weiterer Freibetrag in Abzug gebracht.

Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften beträgt dieser derzeit 24.500 Euro, bei juristischen Personen und Vereinen dagegen nur 3.900 Euro.

Der verbliebene Rest bildet den eigentlichen Gewerbesteuerertrag, der gemäß § 11 GewStG mit der bundesweit einheitlichen Steuermesszahl von 3,5 multipliziert wird.

Beim obigen Beispiel wären dies also:

Gewerbesteuerertrag75.000€
Abzüglich Freibetrag (minus 24.500)50.500€
Multipliziert mit der Steuermesszahl
(3,5 Prozent)
1.767,50€ (ermittelter Steuermessbetrag)

Die Auswirkung unterschiedlicher Hebesätze

Diese Berechnung war bis zu dieser Stelle bundesweit einheitlich. Aber das ändert sich nun. Denn die Gewerbesteuerschuld ergibt sich nun durch die Multiplikation des Steuermessbetrags mit dem Hebesatz.

Dieser als prozentualer Wert angegebene Hebesatz der Gewerbesteuer wird aber von jeder Stadt und Gemeinde selber festgelegt. Er bewegt sich zurzeit zwischen 200 und 500 Prozent.

Einer der Spitzenreiter ist München mit 490 Prozent, auf der Altmärkischen Höhe in Sachsen-Anhalt dagegen beträgt der Gewerbesteuerhebesatz 250 Prozent.

Um die konkreten Folgen solch unterschiedlicher Hebesätze zu veranschaulichen, folgt ein weiteres Berechnungsbeispiel, bei dem angenommen wird, dass ein Selbständiger einen Gewerbeertrag von 50.000 Euro erwirtschaftet hat:

Gewerbeertrag50.000€
Abzüglich Freibetrag24.500€
Korrigierter Gewerbeertrag25.500€
Gewerbesteuermessbetrag
(25.500 x 3,5 %)
892,50€
Multipliziert mit 490 %
(Hebesatz München)
4373,25€ (Gewerbesteuer)
Multipliziert mit 250
(Hebesatz Altmärkische Höhe)
2231,25 (Gewerbesteuer)
Die Gewerbesteuer ist in München also alleine aufgrund seines exorbitanten Hebesatzes fast doppelt so hoch wie auf der Altmärkischen Höhe.

Kein Wunder also, dass Selbständige und Firmen bei ihrer Standortwahl besonderes Augenmerk auf die jeweiligen Gewerbesteuer-Hebesätze legen.