Factoring Vorteile: Forderungsverkauf für eine höhere Eigenkapital-Quote

Das Factoring-Geschäft stellt eine Form des Forderungsverkaufs dar und ermöglicht es Unternehmen, Forderungen an einen Factor – entweder ein Kreditinstitut oder ein spezialisiertes Factoring-Unternehmen – abzutreten. Dadurch ergeben sich verschiedene Vorteile für das Unternehmen. Es gilt aber auch einiges zu beachten. Das und viele weitere wissenswerte Fakten zum Thema Factoring erfahren Sie im diesem Beitrag.

Definition: Was ist Factoring genau?

Der Begriff “Factoring” wird vom lateinischen Wort “Factura” (Rechnung) abgewandelt und steht für die Übertragung offener Forderungen eines Unternehmens an ein anderes Unternehmen. Der Verkauf der Forderung erfolgt in der Regel vor Fälligkeit und kann zu unterschiedlichen Konditionen erfolgen (siehe Factoring-Arten).

Während das Ausfallsrisiko (Delkredererisiko) je nach Art des Factorings an den Factor mit abgetreten werden kann, bleibt das Veritätsrisiko (Risiko der Rechtsbeständigkeit der Forderung) immer beim Lieferant.

Deutsche Factoring-Unternehmen

Als Factor stehen in Deutschland verschiedene Kreditinstitute, aber auch spezielle Factoring-Unternehmen zur Auswahl. Zu den bekanntesten Factoring-Unternehmen in Deutschland gehören unter anderem die Innolend GmbH in Berlin, die Deutsche Factoring Bank oder die factoring.plus AG in Leipzig. Außerdem bieten einige große deutsche Bankhäuser Factoring-Leistungen an, wie zum Beispiel die Raiffeisenbanken, die Sparkassen oder die Volksbanken.

Welche Arten des Factorings gibt es?

Factoring-Leistungen kann man hinsichtlich verschiedener Gesichtspunkte unterscheiden. Neben den verschiedenen Arten je nach Leistungsumfang, kann auch nach der Art der Forderungsabtretung unterschieden werden. Im folgenden Abschnitt werden die bekanntesten Factoring-Varianten kurz erklärt.

Die wichtigsten Factoring-Arten im Überblick

Factoring-ArtDefinition
Echtes FactoringBeim sogenannten "Echten Factoring" übernimmt der Factor auch das Ausfallsrisiko zur Gänze - er übernimmt die offene Forderung und gewährt damit vollen Delkredereschutz.
Unechtes FactoringIm Gegensatz zum Echten Factoring wird das Ausfallsrisiko beim sogenannten "Unechten Factoring" nicht übernommen. Das Delkredererisiko bleibt also beim Lieferanten.
Fälligkeits-FactoringHierbei werden sowohl das Ausfallsrisiko als auch das gesamte Debitorenmanagement an den Factor abgetreten. Dadurch ist der Unternehmen sofort entlastet. Der Nachteil: Der Kaufpreis der Forderung wird erst zu vorab vereinbarten Zahlungsterminen vom Factor an das Unternehmen bezahlt. Das Unternehmen verfügt also nicht sofort über den Kaufpreis.
Offenes Factoring-VerfahrenDer Debitor wird über die Forderungsabtretung in Kenntnis gesetzt.
Stilles Factoring-VerfahrenDie Forderungsabtretung wird dem Kunden gegenüber nicht offengelegt.
Import-Factoring / Export-FactoringHierbei handelt es sich um Factoring-Leistungen im grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr. Werden Forderungen von inländischen Exporteuren an einen Factor übertragen, spricht man von einem Export-Factoring. Handelt es sich umgekehrt um eine Forderungsübernahme von einem ausländischen Unternehmen, wird es als Import-Factoring bezeichnet.
Inhouse-Factoring bzw. Bulk-FactoringDas Debitorenmanagement bleibt beim Factoring-Kunden und wird nicht an den Factor mit übertragen. Der Factor übernimmt hingegen nur die Delkredere- und Finanzierungsfunktion.
Standard-Factoring bzw. Full-Service-FactoringDer Factor übernimmt neben der Forderung auch das volle Ausfallsrisiko sowie das gesamte Debitorenmanagement.

Sonderformen des Factorings

Zu den Sonderformen zählen vereinfacht gesagt alle Factoring-Arten, die nicht einer der oben genannten Standartformen zugeordnet werden können. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Refinanzierungen anderer Factoring-Institute
  • Asset Backed Securities (ABS) ähnliche Produkte
  • konzerninterne Forderungen

Die Vorteile: Warum Factoring?

Der wohl größte Vorteil des Factorings ist die sofortige Liquidität. Der Factor-Kunde oder Lieferant verfügt sofort oder spätestens zu einem vorab fest vereinbarten Zahlungstermin über den Umsatz und kann bestenfalls auch das gesamte Ausfallsrisiko und Debitorenmanagement an den Factor abtreten.

Durch das Factoring wird ein Unternehmen sofort wieder liquide und kann finanziell besser planen.

Darüber hinaus gibt es aber auch noch einige weitere Vorteile, die ein Factoring mit sich bringt:

  • Entlastung des Debitorenmanagements (im Falle eines Full-Service-Factorings)
  • Optimierte Bilanz und dadurch auch bessere Rating-Ergebnisse
  • Abtretung des Ausfallsrisikos (im Falle eines Full-Service-Factorings)
  • bessere finanzielle Planungsmöglichkeiten und dadurch auch größerer finanzieller Handlungsspielraum

und viele mehr.

Optimierung der Eigenkapitalquote durch Factoring

Ein wesentlicher weiterer Vorteil neben der Liquidität ist die Möglichkeit, durch ein Factoring die betrieblichen Kennzahlen zu verbessern. Insbesondere davon betroffen ist die Eigenkapital-Quote, worauf wir etwas mehr ins Detail gehen möchten.

Die Verbesserung der betrieblichen Kennzahlen mit Hilfe des Factorings ist eine von vielen Möglichkeiten, die wichtigste Rating-Kennzahl überhaupt zu verbessern: Die Eigenkapital-Quote. Notwendig wird das vor allem dann, wenn es beispielsweise um die Gewährung eines Kredits geht, denn ein Rating gehört mittlerweile zum Risikomanagement eines jeden Kreditinstituts. Im Rahmen eines Ratings werden zwei Teilratings durchgeführt:

  1. das Bilanzrating bei welchem die quantitativen Erfolgsfaktoren bewertet werden und
  2. die Bewertung der qualitativen Erfolgsfaktoren, wie etwa die Managementqualität etc.

Im Bereich des Bilanzratings spielt die Höhe des Eigenkapitals eine ganz besonders wichtige Rolle und ist maßgeblich für das Rating-Ergebnis. Das wiederum öffnet die Türen in Richtung Kreditgewährung. Es ist also ratsam die Eigenkapital-Quote und in weiterer Folge auch seine Rating-Note für etwaige Finanzierungen günstig zu halten.

Um einen kleinen Einblick in die Bewertung der Eigenkapital-Quote zu erlangen hier ein Überblick:

  • Sehr guter Wert: >25 % Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital
  • Durchschnittlicher Wert: 10 bis 25 % Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital
  • Weniger guter Wert: <10 % Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital

Ein Factoring kann die Eigenkapitalquote in die Höhe befördern da die Kundenforderungen verringert werden. Durch ein Factoring und das Abtreten der offenen Debitorenforderungen ist eine Verbesserung der Eigenkapital-Quote im ersten Schritt auch ohne eigene Einlagen möglich.

Nähere Informationen dazu finden Sie auf kreditrechner.com.

Die Schattenseiten: Hat das Factoring auch Nachteile?

Wie in nahezu allen Bereichen bringt auch ein Factoring für die meisten nicht nur Vorteile sondern auch Nachteile mit sich.

Factoring – auch ein Kostenfaktor

Einer der offensichtlichsten Minuspunkte von Factoringleistungen sind sicher die damit verbundenen Kosten. Denn selbstverständlich wird keine Factor Forderungen nur aus gutem Willen übernehmen. Vielmehr stellt der Factor seinem Kunden Pauschale und forderungsabhängige Kosten in Rechnung:

  • Umsatzabhängiges Entgelt: Zwischen 0,6 und 2,5 Prozent der angekauften Forderung.
  • Pauschale für die Bonitätsprüfung des Debitors
  • Zinsen: Ähnlich wie eine Bank stellt auch der Factor Zinsen für die bereitgestellte Liquidität zu Verfügung.

Factoring ist nicht in jeder Branche möglich

Obwohl sich das Factoring vor allem in der Industrie und im Großhandel heute schon weit verbreitet und durchaus üblich ist, gibt es auch Bereiche der Wirtschaft, in denen Factoring nur schwer oder gar nicht in Frage kommt.

Das betrifft vor allem alle Forderungen über Dienstleistungen. Viele Factoring-Unternehmen übernehmen diese Forderungen grundsätzlich nicht, andere wiederum nur dann, wenn die betreffenden Dienstleistungsforderungen bis ins Detail definiert wurden.

Ebenfalls schwierig ist ein Factoring bei Forderungen gegen Privatkunden. Auch diese werden, ähnlich wie Dienstleistungsforderungen, kaum von Factoring-Unternehmen angekauft. Aus diesem Grund kommt ein Factoring auch im Einzelhandel eher weniger zum Einsatz.

Internationales Factoring und der Deutsche Factoring-Verband e. V.

Die Factoring-Unternehmen in Deutschland werden zu einem großen Teil vom Deutschen Factoring-Verband vertreten. Er zählt 2017 insgesamt 36 Mitglieder, die teilweise auch international ausgerichtet sind. Der Deutsche Factoring-Verband wurde 1974 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Auf internationaler Ebene gibt es ebenfalls Verbände, die die Factoring-Branche vertreten und zu denen sich auch einige dieser 36 deutschen Factoring-Unternehmen zählen:

  • Factors Chain international (FCI): Die Vereinigung wurde 1968 gegründet und hat ihren Sitz in Amsterdam.
  • International Factors Group (IFG): Die IFG wurde 1960 gegründet und ist in Brüssel ansässig.
  • EU Federation for the Factoring and Commercial Finance Industry (EUF): Der europäische Dachverband wurde unter anderem vom Deutschen Factoring-Verband gegründet und vertritt das Factoring in Europa. Auch er hat seinen Sitz in Brüssel.