Einnahmenüberschussrechnung Beispiel (EÜR)

Hinter dem Begriff Einnahmenüberschussrechnung, kurz EÜR, verbirgt sich ein buchhalterisches Verfahren, das Unternehmer für die einfache Gewinnberechnung nutzen. Hierbei ist weder eine Bilanz noch eine doppelte Buchführung erforderlich, sondern ausschließlich die Erfassung der Einnahmen und Ausgaben. Das Verfahren ist jedoch nicht für jeden Unternehmer geeignet – wer es anwenden darf und wer nicht, erfahren Sie in diesem Artikel.

Grundlagen der EÜR

Bild: Taschenrechner als Hilfe bei der EÜR

Die EÜR basiert auf der rechtlichen Grundlage des Einkommenssteuergesetzes (EStG) § 4 Abs. 3: “Steuerpflichtige, die nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen, und die auch keine Bücher führen und keine Abschlüsse machen, können als Gewinn den Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ansetzen.”

Unternehmer sind für den Gesetzgeber in diesem Fall Personen, die ein Handels- oder Kleingewerbe mit überschaubaren und gut strukturieren Geschäftsbeziehungen betreiben. Liegt aber eine AG, GmbH, KG oder OHG als Rechtsform vor, besteht eine Buchhaltungspflicht (einschließlich Bilanz und Jahresabschluss). Ebenfalls buchhaltungspflichtig sind Kaufleute, die sich freiwillig ins Handelsregister eintragen lassen.

Vorgehen bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Als Basis dienen einfache Aufzeichnungen, die alle Einnahmen und Ausgaben eines Geschäftsjahres darstellen. Diese müssen durch Belege nachgewiesen werden. Die Einnahmen und Ausgaben lassen sich zum Beispiel mit dem Office-Programm Excel leicht darstellen. Welche Daten enthalten sein sollten, zeigt die folgende Grafik:

Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben

Bezüglich der zeitlichen Zuordnung gilt bei den Einnahmen und Ausgaben das „Zufluss-Abfluss-Prinzip“ gemäß § 11 EStG. Dieses Prinzip findet nur dann Anwendung, wenn ein Unternehmen dazu verpflichtet ist, eine Einnahmenüberschussrechnung vorzulegen. Was genau besagt dieses Prinzip? Generell sind alle Einnahmen und Ausgaben zu berücksichtigen, die in der jeweiligen Rechnungsperiode aufgetreten sind.

Beispiel: Ein Unternehmen erhält am 15.12.2011 eine Warenlieferung und die dazugehörige Rechnung. Das Rechnungsdatum ist der 12.12.2011. Das Unternehmen nimmt die Zahlung erst im Folgejahr, am 12.01.2012, vor. Für die EÜR bedeutet dies: Die Betriebsausgabe wird dem Folgejahr zugeordnet, weil hier die Zahlung bzw. der Abfluss stattgefunden hat.

Offene Fragen sollten immer mit einem Steuerberater oder dem Finanzamt geklärt werden. Am Ende einer Rechnungsperiode benötigt das Finanzamt in jedem Fall eine Zusammenführung aller Einnahmen und Ausgaben nach folgendem Schema:

Summe der Einnahmen – Summe der Ausgaben = Summe des Gewinns / Verlusts

Ein Unternehmer, egal ob Kleinunternehmer, Freiberufler oder Privatperson mit entsprechenden Einnahmen, sollte sich stets über die Methode der Einnahmen-Überschuss-Rechnung informieren. Eine solide Buchhaltung ist wichtig und, wenn auch mit simplen Mitteln erstellt, eine wichtige Grundlage für den künftigen wirtschaftlichen Erfolg. Wer seine Geschäftszahlen im Auge behält, kann nicht nur Probleme mit dem Finanzamt vermeiden, sondern auch eine gute Basis für einen langjährigen Unternehmenserfolg schaffen. Nachdenken sollte man in jedem Fall auch über das Outsourcing der Buchhaltung an einen Steuerberater.

Einnahmenüberschussrechnung Beispiel

Betriebseinnahmen 2015:

DatumArtBetrag
01.02.2015Erstellung einer Webseite1.500,00 €
16.05.2015Erstellung eines Online-Shops4.200,00 €
01.07.2015Werbeeinnahmen200,00 €
13.09.2015Erstellung einer Webseite2.100,00 €
8.000,00 €

Betriebsausgaben 2015:

DatumArtBetrag
31.03.2015Kontoführungsgebühren30,00 €
31.06.2015Kontoführungsgebühren30,00 €
31.09.2015Kontoführungsgebühren30,00 €
31.12.2015Kontoführungsgebühren30,00 €
01.01.2015Webspacekosten150,00 €
17.03.2015Büromaterial200,00 €
02.05.2015Kosten für einen Grafiker2.500,00 €
01.01.2015Stromkosten2.000,00 €
31.12.2015Abschreibungen IT-Geräte1.500,00 €
6.470,00 €

In diesem Beispiel wurden also ein Umsatz in Höhe von 8.000 € erzielt und es mussten Ausgaben in Höhe von 6.470 € getätigt werden. Somit bleibt ein Jahresüberschuss von 1.530 €.