So berechnet man den Break-Even-Point

Der Break-Even-Point (BeP) wird hierzulande auch „Gewinnschwelle“ oder „Nutzenschwelle“ genannt. Auf dem Börsenparkett spricht man dagegen lieber vom „Gewinnschwellenkurs“ oder dem „Break-Even-Kurs“. All diese Begriffe sind letztlich Synonyme, denn sie stehen gleichermaßen für den zahlenkalkulatorischen Punkt, an dem ein Unternehmen nach Verrechnung sämtlicher Erträge und Kosten exakt bei null landet, sprich weder Gewinne noch Verluste macht.

Sind also die Umsatzerlöse genauso hoch wie die Summe aus fixen und variablen Kosten (den Gesamtkosten), so spricht man per Definition vom Break-Even-Point.

Wenn die Firma nur einen Cent mehr einnimmt, ist sie in der Gewinnzone, wenn sie auch nur einen Cent mehr ausgeben muss, fährt sie Verluste ein. Dasselbe gilt auch für den Aktienhandel: Break-Even ist der Wertpapierhändler genau in dem Moment, in dem sein Depot nach Abzug seiner Fixkosten die Gewinnschwelle erreicht. Gemeint ist damit also nicht nur, dass das Wertpapier einen aktuell höheren Kurswert als bei dessen Erwerb besitzt. Entscheidend ist vielmehr, dass der Händler bei dieser Berechnung auch seine Fixkosten und Erwerbskosten mit einkalkuliert. Denn was nutzt es ihm aus pekuniärer Sicht, wenn beispielsweise sein Wertpapierdepot zwar im laufenden Jahr 1000 Euro Kurssteigerung verzeichnet, ihn aber dessen Verwaltung in der Zwischenzeit 2000 Euro gekostet hat? Daher ist der Break-Even-Punkt eine sehr wichtige Kennziffer und dient letztlich der Effizienzsteigerung des Unternehmens.

Vor allem gibt der Break-Even-Point dem Unternehmen Antworten auf folgende Fragen:

  • Wie hoch muss der Mehrumsatz bis zur Deckung der Gesamtkosten sein?
  • Ab welcher Kosten- und Umsatzhöhe erreicht das Unternehmen die Gewinnschwelle?
  • Ab welchem Umsatz sind die Abschreibungen vollständig finanziert?
  • Wie hoch muss der Gesamtumsatz sein, um ein vorgegebenes Gewinnziel zu erfüllen?
  • Welche Auswirkungen haben Absatzänderungen auf den Unternehmensgewinn?
  • Wie hoch muss die Kapazitätsauslastung sein, um nicht in die Verlustzone zu geraten?
  • Wie hoch ist der Gewinn bei einer Vollauslastung?
  • Welche grundsätzlichen Hinweise ergeben sich für das Unternehmen bezüglich Erreichung seines Ertragsoptimums
  • Welche Auswirkungen haben Produktionsäderungen auf die Gewinnschwelle?

Break-Even-Point – simpel in der Theorie, trickreich in der Berechnung

Die Basisberechnung des Break-Even-Points ist bei Kleinstunternehmern noch vergleichsweise leicht und funktioniert wie folgt: Wenn zum Beispiel ein Bauer insgesamt 100 Euro für die Aufzucht eines Schweins aufwendet, so muss er es zu genau diesem Preis auch verkaufen, um seinen Break-Even-Point zu erreichen. So weit, so einfach. Weitaus komplizierter wird es jedoch, wenn besagter Landwirt viele Schweine aufzieht. In diesem Fall muss er seine Fixkosten und variablen Kosten anteilig auf das einzelne Schwein umlegen, etwa die Stallheizung oder seine Arbeitszeit. Denn egal, wie viele Schweine sich in der Scheune tummeln, die Heizkosten bleiben ja stets dieselben. Genauer gesagt ist hier sogar das Gegenteil der Fall: Die Gesamtheizkosten sinken aufgrund der abgegebenen Körperwärme umso deutlicher, je mehr Tiere sich im Stall tummeln.

Wenn also der Bauer beispielsweise 100 statt nur einem Schwein aufzieht, muss er jedem einzelnen Schwein auch nur einen einprozentigen Heizkostenanteil zurechnen, wobei die gesamten Heizkosten sogar niedriger als bei der Aufzucht von nur einem Schwein sind. Auch dauert die Fütterung von 100 Schweinen gewiss nicht 100-mal länger als das Füttern eines einzelnen Tiers, damit entfällt auf das einzelne Schwein auch ein entsprechend geringerer Arbeitskostenanteil. Unter dem Strich führt dies zu deutlich geringeren Stückkosten und damit auch zu einem deutlich verbesserten Break-Even-Point. Genau daraus resultiert übrigens auch die allseits beliebte wirtschaftliche Floskel „Wachs oder Stirb“, denn jede Mehrproduktion führt naturgemäß zur Kostenersparnis und damit zu fallenden Stückpreisen mit einhergehender, erhöhter Konkurrenzfähigkeit des jeweiligen Unternehmens.

Kniffelig wird´s bei Mehrproduktunternehmen

Der Schweinebauer war nur ein recht einfaches Beispiel. Doch weitaus komplizierter wird es, wenn eine Firma mehrere Produkte an verschiedenen Standorten fabriziert. Bei solchen Mehrproduktunternehmen existiert eine Vielzahl möglicher Absatzmengenkombinationen, die in die Break-Even-Berechnung einfließen müssen. Die Ermittlung des erforderlichen Deckungsumsatzes ist in solchen Fällen nur möglich, wenn all diese teils hochvariablen Faktoren in angemessener Höhe eingepreist werden. Überaus komplex ist auch die Berechnung des Break-Even-Points bei einer Firmengründung oder bei der geplanten Markteinführung eines neuen Produktes. Nur wenn das Unternehmen die für das Erreichen der Gewinnzone benötigte Absatzmenge kennt, weiß es auch, ob sich diese wahrscheinlich erreichen und damit das Projekt auch gewinnbringend realisieren lässt.

Ohne geeignete Software läuft gar nichts

Will man einen Break-Even-Point exakt berechnen, so kommt man um den Einsatz einer entsprechenden Software nicht drum herum. Bereits seit vielen Jahren existieren immer mehr verfeinerte, mathematische und grafische Berechnungsverfahren, welche mit speziellen Buchhaltungsprogrammen wie etwa Excel oder SAP durchgeführt werden. Um dieses Handwerk perfekt zu beherrschen, braucht es allerdings etliche Fortbildungskurse, denn derartige Software-Programme sind überaus kompliziert und geradezu eine Wissenschaft für sich. Aber selbst eine computergestützte Break-Even-Analyse untersucht letztlich ebenfalls nur, wie hoch die Absatzmenge (also die verkaufte Stückzahl) sein muss, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Ein geplanter Gewinn wird dort ebenfalls gleich mit einkalkuliert. Das Ganze lässt sich jederzeit durch aussagekräftige Diagramme wie etwa diesem veranschaulichen:

Break Even Point

Kostenrechnung und Investitionsrechnung

Das Berechnen des BeP kann auf zweierlei Weise erfolgen. Einmal wie im obigen Beispiel gezeigt in Gestalt einer Kostenrechnung, oder auch als Investitionsrechnung. Letztere erfolgt entweder aus gewinnorientierter, oder aus zahlungsorientierter Perspektive. Aus gewinnorientierter Sicht wird die Absatzmenge ermittelt, die dazu notwendig ist, um aus den Umsatzerlösen die Gesamtkosten abzudecken. Anders ist es bei der BeP-Berechnung aus zahlungsorientierter Perspektive, die auch Amortisationsrechnung genannt wird: Hier wird der Zeitpunkt ermittelt, an dem die Summe der durch eine Investition entstehenden Einzahlungen erstmals die Summe der Auszahlungen übersteigt. Dies klingt nicht nur überaus kompliziert, sondern ist es auch und erfordert erhebliches, betriebswirtschaftliches Hintergrundwissen – zumal sich die Amortisationsrechnung ebenfalls wiederum unterteilt in eine statische und eine dynamische Amortisationsrechnung. Letztere berücksichtigt auch solche schwer abwägbaren Faktoren wie Kalkulationszinssätze oder diskontierte Rückflüsse. Erst wenn diese zusammengezählt werden und dabei der Investitionsausgabe entsprechen, ist bei dieser Berechnungsmethode der Break-Even-Point erreicht.