Beschäftigungsgrad berechnen: Formel & Definition

In der Wirtschaftstheorie korrespondieren die beiden Begriffe Beschäftigungsgrad und Arbeitslosenquote eng miteinander. Je höher der eine Wert ist, desto niedriger ist stets der andere. Beide Begriffe beziehen sich auf ein klar abgegrenztes Erwerbspersonenpotenzial. Dies kann beispielsweise ein Land, eine Region, eine Stadt oder eine Wirtschaftsgemeinschaft wie die EU sein – aber auch eine bestimmte Bevölkerungsgruppe wie etwa Frauen, eine spezifische Altersschicht, Auszubildende oder ungelernte Arbeiter.

Grundlage des Begriffs der Arbeitslosenquote ist die Zahl sämtlicher registrierter Arbeitslosen inklusive der stillen Reserve. Ausgedrückt wird diese Quote stets in Prozent des gesamten zur Verfügung stehenden Erwerbspersonenpotenzials. Der Beschäftigungsgrad steht für das exakte Gegenteil, nämlich für den Auslastungsgrad eines vorhandenen Erwerbspersonenpotenzials innerhalb einer Volkswirtschaft oder einer bestimmten Bevölkerungsgruppe. Anders ausgedrückt geht es um das Verhältnis der aktuellen Beschäftigung zur Vollbeschäftigung.

Der Beschäftigungsgrad eines Unternehmens

Dieser Begriff des Beschäftigungsgrades wird inzwischen auch in Unternehmen als Synonym für dessen Kapazitätsausnutzung verwendet. Er steht dort für das Verhältnis zwischen der tatsächlichen und der maximal erreichbaren Produktion.

Die firmeninterne Vollbeschäftigung beschreibt einen Zustand, bei dem eine Produktionssteigerung bei gleichbleibender Kapazität allenfalls für einen sehr begrenzten Zeitraum – nicht aber auf Dauer gesteigert werden kann.

Der in diesem unternehmerischen Sinn verstandene Beschäftigungsgrad ist ein Indikator dafür, in welchem Maße die theoretisch zur Verfügung stehenden Produktionskapazitäten vom Unternehmen respektive dessen Mitarbeiterstamm innerhalb eines festgelegten Zeitraums ausgeschöpft wurden.

Grafisch lässt sich der unternehmensinterne Beschäftigungsgrad wie folgt veranschaulichen:

Der im Normalfall prozentual ausgedrückte Beschäftigungsgrad ist ein wichtiger Bestandteil der firmeninternen Kosten- und Leistungsrechnung. Ein fünfzigprozentiger Beschäftigungsgrad bedeutet folglich, dass die eigentlich vorhandene maschinelle oder personelle Kapazität nur zu 50 Prozent ausgeschöpft wird. Das heißt es wird nur die Hälfte der möglichen Stückzahlen produziert respektive nur die Hälfte der zur Verfügung stehenden Arbeitsstunden genutzt.

Sämtliche Kosten, die sich auf ungenutzte Kapazitäten beziehen werden oftmals auch als Leerkosten bezeichnet.

Im Gegenzug werden genutzte Kapazitäten als Nutzkosten bezeichnet. Davon abzugrenzen sind die fixen Kosten. Sie fallen unabhängig vom Beschäftigungsgrad und der Höhe der Ausbringung eines Unternehmens an und sind stattdessen zeitabhängig. So müssen beispielsweise

  • die Miete,
  • Zinsen auf Fremdkapital oder
  • Versicherungsprämien


vollkommen unabhängig vom Produktionsausstoß in bestimmten Zeitabständen bezahlt werden.

Dennoch gilt in der Wirtschaftstheorie als gesichert, dass Geschäftskosten und Gewinn mit dem Beschäftigungsgrad eines Unternehmens stark schwanken.

In der Regel können in einem Unternehmen nur äußerst selten sämtliche Maschinen ohne Unterbrechung auf Volllast gefahren werden. Ursache dafür kann ein oder auch die Kombination mehrerer der nachfolgend genannten Gründe sein:

  • Es liegen nicht genügend Aufträge für eine vollständige Maschinenauslastung vor.
  • vorsätzliche Kapazitätsreserven
  • temporärer oder chronischer Personalmangel (etwa durch Fachkräftemangel, Nachschulungen, Urlaub oder Krankheiten)
  • unzureichend geschultes Personal
  • maschinelle Defekte
  • Stillstände aufgrund von Kettenreaktionen, wenn etwa ein Glied einer Produktionslinie ausfällt und damit die gesamte Produktion lahmlegt
  • Wartungsarbeiten an den Maschinen
  • Software-, Telefon- und Netzwerkprobleme
  • durch Qualitätsmängel in der Produktion verursachte maschinelle Neujustierungen
  • begrenzte Arbeitszeiten und Wochenenden
  • durch Zulieferer verursachte, temporäre Produktionsstopps


Aus all diesen – und noch einer Reihe weiteren Gründen ist es selbst für ein Unternehmen, welches einen 24-stündigen Vollschichtbetrieb fährt, in der Praxis unmöglich, auf Dauer eine 100 prozentige Produktionsauslastung zu erzielen. Dies gelingt – wenn überhaupt – dann nur für einen sehr begrenzten Zeitraum.

Jedem Unternehmen müsste also eigentlich daran gelegen sein, einen möglichst hohen Beschäftigungsgrad zu erzielen.

Dies gilt jedoch nicht in jedem Fall, daher kann der Beschäftigungsgrad auch nicht als Richtwert für den wirtschaftlichen Erfolg angesehen werden.

Beispiel für einen negativ zu bewertenden, hohen Beschäftigungsgrad

Wenn ein Unternehmen durch einen optimalen Beschäftigungsgrad weit mehr Produkte herstellt, als der Markt aufnimmt, und daher letztlich nur auf Halde produziert, ist ein hoher Beschäftigungsgrad kontraproduktiv.

Sinnvoller wäre es in solchen Fällen, den Beschäftigungsgrad runterzufahren, um somit wenigstens die für die Produkterstellung notwendige Energie, die Arbeitskosten, den Lagerraum etc. einzusparen. Auch wäre es natürlich absurd, wenn eine Spedition ihre Fahrer ohne jegliches Frachtgut fahren lässt, nur um auf diese Weise einen hohen Beschäftigungsgrad zu erzielen.

Allerdings ist es durchaus sinnvoll, den Beschäftigungsgrad innerhalb eines Unternehmens zu kennen, um Optimierungsmaßnahmen der Auslastung entwickeln zu können. Denn: Je höher die Auslastung von Maschinen und Mitarbeitern ist, desto produktiver ist das Unternehmen.

Ein hoher Beschäftigungsgrad hat also geringere Stückkosten zur Folge. Die Angabe des Beschäftigungsgrads kann sich sowohl auf das ganze Unternehmen beziehen, aber auch auf einzelne Maschinen oder Fachabteilungen.

Besonders wichtig ist ein hoher Auslastungsgrad für jene Unternehmen, die einen sehr hohen Anteil an Fixkosten haben. Dies sind zum Beispiel Autobauer, Energieversorger, Lebensmittelproduzenten und Flugzeughersteller.

Beschäftigungsgrad Formel: Beschäftigungsgrad berechnen

Nachfolgend finden Sie die Formel zur Berechnung des Beschäftigungsgrads – so können Sie den Beschäftigungsgrad berechnen:

Beschäftigungsgrad = (Ist-Beschäftigung / Plan-Beschäftigung) * 100

Als Ist-Beschäftigung wird die Anzahl der aktuell produzierten Produkte eingesetzt, als Plan-Beschäftigung hingegen die theoretisch mögliche Auslastung. Anschließend wird mit 100 multipliziert, um auf den Prozentwert zu kommen.

Praxisbeispiel Beschäftigungsgrad

Ein Unternehmen kann theoretisch mit den vorhandenen Ressourcen 1.000 Autos im Monat produzieren. Aufgrund von recht geringer Nachfrage werden zurzeit aber nur 750 Autos im Monat produziert. Nachfolgend finden Sie die Berechnung.

Damit liegt der Beschäftigungsgrad in diesem Beispiel bei (750/1.000) * 100 = 75%